Valandré Odin
Kaufdatum: 11.2009
Hersteller: Valandré
Modellbezeichnung: Odin
Modelljahr: 2009
Unverbindliche Preisempfehlung: 692 €
Verarbeitungsqualität: sehr gut
Konstruktionsart: Tubular-Bell Konstruktion
Einsatzbereich: Winter
Temperaturbereich: -30°C
Ausstattung: 3D-Wärmekragen
Besondere Details: anatomischer Schnitt
Außenmaterial: Asashi KASEI Impact 66 WR Polyamide Rip-Stop
Innenmaterial: Asahi Kasei Polyester Rip-Stop (Anti static)
Füllung-Daune: 850+ cuin (US-Norm)
Reißverschlüsse: YKK (volle Länge)
Gewicht inkl. Größenangaben: 1978g (Größe L - 200cm)
Packmaß (H*L*B): 14l (laut Hersteller)
Passform: sehr gut
Komfort: sehr gut
Handling: gut
Alter Testperson: 21-30
Körpergröße Testperson (in cm): 193
Körperstatur Testperson: muskulös bis stemmig
Geschlecht Testperson: männlich
Outdoorerfahrung Testperson (1-wenig bis 7-hoch): 5
1. Erster Eindruck:
17.12.09
Tja... wie fängt man an, einen Testbericht über einen Valandré Odin Schlafsack zu schreiben? Vielleicht mit einer kleinen Anekdote?
Als ich vor ein paar Wochen mit Valandré telefoniert hatte (dort spricht man übrigens neben Französisch auch noch fließend Englisch und Deutsch) und noch mal erklärt habe, was die ODS-Testgruppe ist und was wir den Herstellern anbieten, bekam ich Folgendes zu hören:
"Ihr wollt Schlafsäcke testen? Ok... was soll ich dir schicken? Wir haben keine Angst!"
An Selbstbewusstsein mangelt es den Leuten bei Valandré jedenfalls nicht
Ein paar Tage später kam dann ein großes Paket aus Frankreich an, aus dem dann beim Öffnen unter anderem ein Odin zum Vorschein kam. Kurze Zeit später war mir klar, warum Valandré keine Angst hat, ihre Schlafsäcke durch die ODS testen zu lassen.
Wer einen Valandré Odin bereits einmal in den Händen hatte, dem ist klar, dass man sich hier in der absoluten Oberliga der Schlafsackhersteller befindet - qualitativ, aber auch preislich. Aber legen wir los....
Materialien:
Zu den Materialien werde ich nicht viel sagen. Hier wurden, denke ich, schlicht und ergreifend keine Kompromisse gemacht. Sowohl außen als auch innen wurde Polyamid Rip Stop Material verwendet. Beide Stoffe haben bis jetzt (diverse Male ein und ausgepackt) noch keine einzige Daune/Feder durchgelassen und das Innenmaterial (schwarz) fühlt sich angenehm auf der Haut an. Valandré verwendet übrigens prinzipiell keine wasserdichten Stoffe bei ihren Schlafsäcken. Die Begründung steht im Posting Nr. 4 weiter unten als Zitat.
Die Daunenqualität ist spitze. Anders kann man es nicht sagen. Allerdings ist er mit über 1,2 Kilo Daunenfüllung auch schon ein richtiges Schwergewicht unter den Daunen-Winterschlafsäcken. Angegeben wird die Füllung mit einer Fillpower von 850+ Cuin. Mein subjektiver Eindruck sagt mir, dass ich das den Leuten von Valandré durchaus abkaufe.
Loft Messwerte:
Kammernhöhe [in cm]:
1 : 28,5 (Fußende)
2: 27,5
3: 27,9
4: 28,1
5: 27,5
6: 27,1
7: 26,3
8: 26,5
9: 28,8
10: 31,7
11: 34,6
12: 34,4
Diese Messwerte sind mit Vorsicht zu genießen und nur bedingt zum Vergleich mit anderen Schlafsäcken geeignet, da sich die Höhen der Kammern ohne weiteres um mehrere Millimeter plus oder minus verändern können, je nachdem, wie der Schlafsack gerade "fällt", wenn man ihn ausbreitet.
Kammerkonstruktion:
Hier gibt es einige bemerkenswerte Details.
Der Schnitt des Odins ist anatomisch und verläuft dementsprechend zu den Füßen hin schmäler, wie man das von einem Mumienschlafsack erwarten darf. Der Schlafsack besitzt eine seitliche Kammertrennung und ein Fußteil, welches aus mehreren Kammern gefertigt ist. Ebenfalls interessant ist die Außenhülle, bei der die Stege mit einem speziellen Nähverfahren genäht wurden, das eine leichte Spannung/Dehnbarkeit entlang der Oberseite an den Kammerwänden bewirkt. So "rafft" der Odin praktisch automatisch die Daune zu regelrechten Daunenbergen auf.
Bemerkenswert ist aber vor allem die deutlich erkennbare "Tubular Bell" Konstruktionsart, bei der durch einzeln abgestimmte Kammergrößen und eine absolut geometrische Konstruktionsart das maximale an Wärme aus der Daune heraus geholt werden soll. Man erkennt das sehr gut auf den oberen beiden Bildern. Auf dem linken Bild sieht man sehr gut, wie dort die Kammern wirklich dreidimensional gefertigt sind um der Daune den maximalen Loft zu ermöglichen. Rechts sieht man, dass selbst bei komplett verschlossener Kapuze immer noch sehr viel Platz für die Daune bleibt, um den Kopf mit Wärmedämmung zu versorgen.
Man hat im Bereich des Wärmekragens regelrecht das Gefühl, als würde man zwei Backsteine passend aufeinander legen, wenn man im Odin liegt und ihn zuklappt. Nicht vom Gewicht her, aber von der Art und Weise, wie die beiden Teile des Schlafsacks sich beim Zuklappen aufeinander legen und eine klare Nachricht vermitteln: Hier geht keine Wärme verloren!
Ich habe mittlerweile schon den ein oder anderen Winterschlafsack in den Händen gehabt, aber hinsichtlich der Kammerkonstruktion habe ich bisher kaum etwas vergleichbares gesehen.
Reißverschlusskonstruktion:
Der Odin besitzt einen YKK-Reißverschluss mit dem man den Schlafsack bis etwa auf Wadenhöhe öffnen kann. Darüber hinaus gibt es einen Klemmschutz auf der oberen Innenseite und eine kleine Reißverschlussabdeckung außen. Beim mehrmaligen Öffnen und Schließen zeigte sich, dass das RV zwar ganz gut läuft, sich aber dennoch das ein oder andere Mal im Innenstoff an der Innenseite unten im Schlafsacks verfängt. Nicht wirklich tragisch, wenn man darum weiß und eben ein wenig darauf achtet.
Größere Bedenken bereitet mir hingegen die Reißverschlussabdeckleiste. Von dieser gibt es nämlich nur eine. Diese ist recht akzeptabel befüllt, aber ob eine Abdeckleiste auch bei Temperaturen von unter -30°C ausreichend ist, ist fraglich. Ich selbst habe leider schon die Erfahrung machen müssen, dass es nicht ausreichend sein kann (bei einem Feathered Friends Peregrine). Allerdings war beim Peregrine die Konstruktionsart bei weitem nicht so ausgefeilt wie sie es beim Odin ist. Hier liegt die Abdeckleiste wirklich passgenau (man erinnere sich an das Beispiel mit den Backsteinen
) auf der anderen Seite der RV-Öffnung. Beim Probeliegen auf unserem Balkon konnte ich auf Anhieb keine Kältebrücken feststellen. Ich denke aber trotzdem, dass hier vor allem der Praxistest gefragt sein wird. Ich selbst bin skeptisch... es kann aber durchaus sein, dass die spezielle Konstruktionsart des Odins eine 2. RV-Abdeckung überflüssig macht.
Wärmekragen:
Der Wärmekragen ist über jeden Zweifel erhaben. Sehr groß und prall gefüllt mit Daunen wird hier kein Quentchen warmer Luft verloren gehen, wenn man ihn richtig zu zieht. Neu war für mich die Konstruktion der beiden Tankas, mit denen man den Wärmekragen und auch die Kapuze zuziehen kann. Die Tankas lassen sich aufeinander stecken und bieten so einen zusätzlichen Schutz vor unbeabsichtigtem Aufziehen der Schnürzüge in der Nacht. Ob dies wirklich sinnvoll ist oder vielleicht sogar störend empfunden wird, wird sich erst nach dem Praxistest zeigen. Der untere Wärmekragen verschließt sich darüber hinaus durch ein mehrteiliges Klettsystem mit der Oberseite des Wärmekragens und der RV-Abdeckung nahtlos. Auch hier beeindruckt wieder die sehr exakte und räumliche Konstruktion der Daunenkammern.
Passform:
Der Odin ist ein weit geschnittener Winterschlafsack, so dass auch ich mit meinen 1,93m und deutlich über 100kg da gut rein passe und mich nicht beengt fühle. Wenn ich meine Arme an meinen Körper anlege, kann ich die Hände noch gut neben meinen Hüften ablegen. Breite ich jedoch meine Handflächen maximal aus und halte sie waagrecht neben meinen Hüften (also Daumen zum Körper und kleine Finger zum Schlafsack, dann gibt es bereits Spannung. Insofern würde es für mich mit einer sehr Dicken Winterdaunenjacke vielleicht eng werden im Odin, aber ganz ehrlich? Ich glaube, dass mich der Odin auch bei -40°C ohne Daunenjacke noch nicht erfrieren lassen würde.
Lieferzubehör:
Es werden ein Packsack (mit 4 Spannriemen versehen) und ein Aufbewahrungssack mitgeliefert. Der Packsack ist stabil und gut dimensioniert. Man bekommt den Odin recht gut hinein und kann dann, wenn man möchte auch noch den ein oder anderen Millimeter an Platz mit den Spannriemen gewinnen, wenn man sich beim Spannen mit seinem vollen Körpergewicht auf den Packen kniet. Beim Öffnen sprengt der Odin dann allerdings regelrecht heraus.
Der Aufbewahrungssack... ist den Namen nicht Wert. Ich würde ihn eher "Transportsack" nennen. Denn damit der Odin da rein passt, muss man schon ordentlich drücken und quetschen. Zur Lagerung würde ich ihn da jedenfalls niemals drinnen lassen. Dann lieber einen kleinen Bettbezug oder ähnliches verwenden, wenn man ihn nicht komplett offen lagern möchte.
Fazit nach dem ersten Eindruck:
Der Odin kann vor allem bei der Materialqualität und der Konstruktion voll punkten. Ich hatte bis jetzt noch keinen Schlafsack in meinen Händen, der so eine perfekt aufeinander abgestimmte Konstruktion aufweisen konnte. Bedenken habe ich wie gesagt nur bezüglich der Reißverschlussabdeckleiste, was sich aber nur wirklich durch einen Praxistest bestätigen oder aber eben verwerfen lässt. Den Odin gibt es allerdings nicht mit wasserdichter Außenhülle, was ihn für mich noch ein ganzen Stück interessanter machen würde.
Man kann es mit Worten leider nicht wirklich treffend beschreiben, wie man sich fühlt, wenn man in den Odin rein schlüpft und dieses Daunenmonster über sich schließt... ich kann mir jedenfalls kaum vorstellen, dass man bei "normalen" Wintertouren in Skandinavien oder den Alpen (Extrem-Expeditionen mal ausgenommen) noch mehr Wärme brauchen könnte, als der Odin bieten kann.
Für den doch stolzen Preis erhält man auf jeden Fall ein Produkt, das auf der Qualtitäts-Skale aller Schlafsäcke (sofern es so etwas jemals geben sollte/kann) sicherlich ganz oben mit dabei steht.
Weitere Herstellerinformationen (englisch):
- Daunenmaterial
- Tubular-Bell Konstruktionsart
- verschiedene Videos
Weitere Bilder:

2. Praxistest
Getestet von Becks
Eigentlich wollte ich am Aconcagua eine Kombination aus zwei leichten Schlafsäcken verwenden, aber netterweise bekam ich den Valandré Odin für den Urlaub zugeschickt. Tja, und so wanderte der Schlafsack zusammen mit mir den Januar über nach Argentinien.
Testumfang:
Benutzt wurde der Schlafsack etwa zwei Wochen lang im Zelt in einer Höhe von 3500 bis 5500m üNN. Die Nachttemperaturen lagen dabei bei leichten Plusgraden bis runter zu dauerhaft -15°C oben am Nido de Condores. Tagsüber wurde der Schlafsack wenn möglich immer gelüftet und so trocken gehalten.
Den gesamten Bericht gibt es hier, inklusive vieler Bilder, die einen Eindruck von der Tour geben.
Schlafsackbilder, aufgenommen am Nido:

Innenaufnahme früh am morgen, nachdem ein Sturm die ganze Nacht lang über feinsten Schneestaub ins Zelt gedrückt hat. Nichts geschmolzen, keine Vereisungen am Schlafsack.

Tagsüber am Nido de Condores (5500m).
Meine Beurteilung fällt eigentlich recht kurz aus:
Genialer Schlafsack, der bei -15°C noch lange nicht ausgereizt ist, und das, obwohl z.B. die Höhe noch als Kältefaktor hinzu kam. Etwaige Schwächen durch die fehlende Gore-Aussenhülle konnte ich nicht feststellen. Ich hab im Schlafsack hervorragend geschlafen, Kältebrücken konnte ich keine finden. Die Detaillösung mit den kuppelbaren Tankas am Wärmekragen ist ein sehr schönes Detail. Das geht nichts auf oder verrutscht.
Becks
3. Langzeittest
zugegeben, es ist etwas schwierig, bei einem solchen Schlafsack einen realistischen Langzeittest anzufertigen, wenn man nicht gerade am Polarkreis wohnt, denn für die meisten Touren ist der Odin in hiesigen Gefilden schlichtweg zu warm.

Valandre Odin, Juni 2011
Bei mir kam er einige Male im Winter zum Einsatz, wo er erwartungsgemäß keinerlei Schwächen zeigte. Zumindest zu kalt wurde es mir in keinem Fall
Auch die Loft hat trotz einer notwendigen Wäsche nach dem Aconcaguatripp bisher nicht sichtbar gelitten, was in Anbetracht des Preises auch recht schade wäre.
Fazit:
Ein toller Schlafsack, den man eher bei längeren Touren im skandinavischen Winter oder bei Expeditionen verwenden sollte. Für mitteleuropäische Winter dürfte er etwas "overpowerd" sein.
Hinweis der ODS-Testgruppe

Hersteller: Valandré
Modellbezeichnung: Odin
Modelljahr: 2009
Unverbindliche Preisempfehlung: 692 €
Verarbeitungsqualität: sehr gut
Konstruktionsart: Tubular-Bell Konstruktion
Einsatzbereich: Winter
Temperaturbereich: -30°C
Ausstattung: 3D-Wärmekragen
Besondere Details: anatomischer Schnitt
Außenmaterial: Asashi KASEI Impact 66 WR Polyamide Rip-Stop
Innenmaterial: Asahi Kasei Polyester Rip-Stop (Anti static)
Füllung-Daune: 850+ cuin (US-Norm)
Reißverschlüsse: YKK (volle Länge)
Gewicht inkl. Größenangaben: 1978g (Größe L - 200cm)
Packmaß (H*L*B): 14l (laut Hersteller)
Passform: sehr gut
Komfort: sehr gut
Handling: gut
Alter Testperson: 21-30
Körpergröße Testperson (in cm): 193
Körperstatur Testperson: muskulös bis stemmig
Geschlecht Testperson: männlich
Outdoorerfahrung Testperson (1-wenig bis 7-hoch): 5
1. Erster Eindruck:
17.12.09
Tja... wie fängt man an, einen Testbericht über einen Valandré Odin Schlafsack zu schreiben? Vielleicht mit einer kleinen Anekdote?
Als ich vor ein paar Wochen mit Valandré telefoniert hatte (dort spricht man übrigens neben Französisch auch noch fließend Englisch und Deutsch) und noch mal erklärt habe, was die ODS-Testgruppe ist und was wir den Herstellern anbieten, bekam ich Folgendes zu hören:
"Ihr wollt Schlafsäcke testen? Ok... was soll ich dir schicken? Wir haben keine Angst!"
An Selbstbewusstsein mangelt es den Leuten bei Valandré jedenfalls nicht

Wer einen Valandré Odin bereits einmal in den Händen hatte, dem ist klar, dass man sich hier in der absoluten Oberliga der Schlafsackhersteller befindet - qualitativ, aber auch preislich. Aber legen wir los....
Materialien:
Die Daunenqualität ist spitze. Anders kann man es nicht sagen. Allerdings ist er mit über 1,2 Kilo Daunenfüllung auch schon ein richtiges Schwergewicht unter den Daunen-Winterschlafsäcken. Angegeben wird die Füllung mit einer Fillpower von 850+ Cuin. Mein subjektiver Eindruck sagt mir, dass ich das den Leuten von Valandré durchaus abkaufe.
Loft Messwerte:
Kammernhöhe [in cm]:
1 : 28,5 (Fußende)
2: 27,5
3: 27,9
4: 28,1
5: 27,5
6: 27,1
7: 26,3
8: 26,5
9: 28,8
10: 31,7
11: 34,6
12: 34,4
Diese Messwerte sind mit Vorsicht zu genießen und nur bedingt zum Vergleich mit anderen Schlafsäcken geeignet, da sich die Höhen der Kammern ohne weiteres um mehrere Millimeter plus oder minus verändern können, je nachdem, wie der Schlafsack gerade "fällt", wenn man ihn ausbreitet.
Kammerkonstruktion:
Hier gibt es einige bemerkenswerte Details.
Der Schnitt des Odins ist anatomisch und verläuft dementsprechend zu den Füßen hin schmäler, wie man das von einem Mumienschlafsack erwarten darf. Der Schlafsack besitzt eine seitliche Kammertrennung und ein Fußteil, welches aus mehreren Kammern gefertigt ist. Ebenfalls interessant ist die Außenhülle, bei der die Stege mit einem speziellen Nähverfahren genäht wurden, das eine leichte Spannung/Dehnbarkeit entlang der Oberseite an den Kammerwänden bewirkt. So "rafft" der Odin praktisch automatisch die Daune zu regelrechten Daunenbergen auf.
Bemerkenswert ist aber vor allem die deutlich erkennbare "Tubular Bell" Konstruktionsart, bei der durch einzeln abgestimmte Kammergrößen und eine absolut geometrische Konstruktionsart das maximale an Wärme aus der Daune heraus geholt werden soll. Man erkennt das sehr gut auf den oberen beiden Bildern. Auf dem linken Bild sieht man sehr gut, wie dort die Kammern wirklich dreidimensional gefertigt sind um der Daune den maximalen Loft zu ermöglichen. Rechts sieht man, dass selbst bei komplett verschlossener Kapuze immer noch sehr viel Platz für die Daune bleibt, um den Kopf mit Wärmedämmung zu versorgen.
Ich habe mittlerweile schon den ein oder anderen Winterschlafsack in den Händen gehabt, aber hinsichtlich der Kammerkonstruktion habe ich bisher kaum etwas vergleichbares gesehen.
Reißverschlusskonstruktion:
Der Odin besitzt einen YKK-Reißverschluss mit dem man den Schlafsack bis etwa auf Wadenhöhe öffnen kann. Darüber hinaus gibt es einen Klemmschutz auf der oberen Innenseite und eine kleine Reißverschlussabdeckung außen. Beim mehrmaligen Öffnen und Schließen zeigte sich, dass das RV zwar ganz gut läuft, sich aber dennoch das ein oder andere Mal im Innenstoff an der Innenseite unten im Schlafsacks verfängt. Nicht wirklich tragisch, wenn man darum weiß und eben ein wenig darauf achtet.

Wärmekragen:
Der Wärmekragen ist über jeden Zweifel erhaben. Sehr groß und prall gefüllt mit Daunen wird hier kein Quentchen warmer Luft verloren gehen, wenn man ihn richtig zu zieht. Neu war für mich die Konstruktion der beiden Tankas, mit denen man den Wärmekragen und auch die Kapuze zuziehen kann. Die Tankas lassen sich aufeinander stecken und bieten so einen zusätzlichen Schutz vor unbeabsichtigtem Aufziehen der Schnürzüge in der Nacht. Ob dies wirklich sinnvoll ist oder vielleicht sogar störend empfunden wird, wird sich erst nach dem Praxistest zeigen. Der untere Wärmekragen verschließt sich darüber hinaus durch ein mehrteiliges Klettsystem mit der Oberseite des Wärmekragens und der RV-Abdeckung nahtlos. Auch hier beeindruckt wieder die sehr exakte und räumliche Konstruktion der Daunenkammern.
Passform:
Der Odin ist ein weit geschnittener Winterschlafsack, so dass auch ich mit meinen 1,93m und deutlich über 100kg da gut rein passe und mich nicht beengt fühle. Wenn ich meine Arme an meinen Körper anlege, kann ich die Hände noch gut neben meinen Hüften ablegen. Breite ich jedoch meine Handflächen maximal aus und halte sie waagrecht neben meinen Hüften (also Daumen zum Körper und kleine Finger zum Schlafsack, dann gibt es bereits Spannung. Insofern würde es für mich mit einer sehr Dicken Winterdaunenjacke vielleicht eng werden im Odin, aber ganz ehrlich? Ich glaube, dass mich der Odin auch bei -40°C ohne Daunenjacke noch nicht erfrieren lassen würde.
Lieferzubehör:
Es werden ein Packsack (mit 4 Spannriemen versehen) und ein Aufbewahrungssack mitgeliefert. Der Packsack ist stabil und gut dimensioniert. Man bekommt den Odin recht gut hinein und kann dann, wenn man möchte auch noch den ein oder anderen Millimeter an Platz mit den Spannriemen gewinnen, wenn man sich beim Spannen mit seinem vollen Körpergewicht auf den Packen kniet. Beim Öffnen sprengt der Odin dann allerdings regelrecht heraus.

Der Aufbewahrungssack... ist den Namen nicht Wert. Ich würde ihn eher "Transportsack" nennen. Denn damit der Odin da rein passt, muss man schon ordentlich drücken und quetschen. Zur Lagerung würde ich ihn da jedenfalls niemals drinnen lassen. Dann lieber einen kleinen Bettbezug oder ähnliches verwenden, wenn man ihn nicht komplett offen lagern möchte.
Fazit nach dem ersten Eindruck:
Der Odin kann vor allem bei der Materialqualität und der Konstruktion voll punkten. Ich hatte bis jetzt noch keinen Schlafsack in meinen Händen, der so eine perfekt aufeinander abgestimmte Konstruktion aufweisen konnte. Bedenken habe ich wie gesagt nur bezüglich der Reißverschlussabdeckleiste, was sich aber nur wirklich durch einen Praxistest bestätigen oder aber eben verwerfen lässt. Den Odin gibt es allerdings nicht mit wasserdichter Außenhülle, was ihn für mich noch ein ganzen Stück interessanter machen würde.
Man kann es mit Worten leider nicht wirklich treffend beschreiben, wie man sich fühlt, wenn man in den Odin rein schlüpft und dieses Daunenmonster über sich schließt... ich kann mir jedenfalls kaum vorstellen, dass man bei "normalen" Wintertouren in Skandinavien oder den Alpen (Extrem-Expeditionen mal ausgenommen) noch mehr Wärme brauchen könnte, als der Odin bieten kann.
Für den doch stolzen Preis erhält man auf jeden Fall ein Produkt, das auf der Qualtitäts-Skale aller Schlafsäcke (sofern es so etwas jemals geben sollte/kann) sicherlich ganz oben mit dabei steht.
Weitere Herstellerinformationen (englisch):
- Daunenmaterial
- Tubular-Bell Konstruktionsart
- verschiedene Videos
Weitere Bilder:
2. Praxistest
Getestet von Becks
Eigentlich wollte ich am Aconcagua eine Kombination aus zwei leichten Schlafsäcken verwenden, aber netterweise bekam ich den Valandré Odin für den Urlaub zugeschickt. Tja, und so wanderte der Schlafsack zusammen mit mir den Januar über nach Argentinien.

Testumfang:
Benutzt wurde der Schlafsack etwa zwei Wochen lang im Zelt in einer Höhe von 3500 bis 5500m üNN. Die Nachttemperaturen lagen dabei bei leichten Plusgraden bis runter zu dauerhaft -15°C oben am Nido de Condores. Tagsüber wurde der Schlafsack wenn möglich immer gelüftet und so trocken gehalten.
Den gesamten Bericht gibt es hier, inklusive vieler Bilder, die einen Eindruck von der Tour geben.
Schlafsackbilder, aufgenommen am Nido:


Innenaufnahme früh am morgen, nachdem ein Sturm die ganze Nacht lang über feinsten Schneestaub ins Zelt gedrückt hat. Nichts geschmolzen, keine Vereisungen am Schlafsack.



Tagsüber am Nido de Condores (5500m).
Meine Beurteilung fällt eigentlich recht kurz aus:
Genialer Schlafsack, der bei -15°C noch lange nicht ausgereizt ist, und das, obwohl z.B. die Höhe noch als Kältefaktor hinzu kam. Etwaige Schwächen durch die fehlende Gore-Aussenhülle konnte ich nicht feststellen. Ich hab im Schlafsack hervorragend geschlafen, Kältebrücken konnte ich keine finden. Die Detaillösung mit den kuppelbaren Tankas am Wärmekragen ist ein sehr schönes Detail. Das geht nichts auf oder verrutscht.
Becks
3. Langzeittest
zugegeben, es ist etwas schwierig, bei einem solchen Schlafsack einen realistischen Langzeittest anzufertigen, wenn man nicht gerade am Polarkreis wohnt, denn für die meisten Touren ist der Odin in hiesigen Gefilden schlichtweg zu warm.

Valandre Odin, Juni 2011
Bei mir kam er einige Male im Winter zum Einsatz, wo er erwartungsgemäß keinerlei Schwächen zeigte. Zumindest zu kalt wurde es mir in keinem Fall

Fazit:
Ein toller Schlafsack, den man eher bei längeren Touren im skandinavischen Winter oder bei Expeditionen verwenden sollte. Für mitteleuropäische Winter dürfte er etwas "overpowerd" sein.
Hinweis der ODS-Testgruppe
Dieses Produkt wurde der ODS-Testgruppe vom Hersteller zum Testen zur Verfügung gestellt. Ebenfalls Interesse, Ihre Produkte durch die outdoorseiten.net testen zu lassen? Hier erfahren Sie, wie es funktioniert.
Dein Team der

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